Licht für Kwanta 2017

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Wir haben es geschafft!

Die Photovoltaikanlage in Ghana steht und läuft einwandfrei und ein tolles Team kümmert sich vor Ort laufend um die Wartung und Instandhaltung!

Es gab einen umfangreichen Theoriekurs, die Installation der Anlage verging mit Teamwork wie im Flug, bei zahlreichen Vorträgen und Workshops in den Schulen konnten die interessierten Kinder wie Erwachsene mehr über Solarenergie erfahren und zum Schluss wurde die Bibliothek feierlich neu eröffnet.

Doch nicht nur von der technischen Seite her war unsere Reise ein voller Erfolg - auch die zahllosen wundervollen Erfahrungen, die wir machen durften und die Freunde, die wir in Ghana gefunden haben, machen die Reise unvergesslich.

Wir bedanken uns von ganzem Herzen bei allen Spendern, Helfern und Unterstützern, die dieses Projekt erst möglich gemacht haben!

Selbstverständlich wurden alle Erlebnisse in einem Reisebericht festgehalten:

02/02/2017

Nach einer langen Nacht in Lissabons Bairro Alto kamen
wir gestern gegen 3 Uhr in Accra an. John, unser lokaler Organisator, wartete
bereits auf uns und lud beides, uns und unser Gepäck, in ein klassisches
afrikanisches TroTro. Nach kleineren Einkäufen fuhren wir Richtung Kwanta.
Für viele war es die erste Berührung mit diesem Kontinent, und wir können nur
versuchen, die ersten Eindrücke zu beschreiben: die rote Erde, die Sonne, die
wie ein glühender orangener Ball am Himmel hängt, die Luft, angereichert von
einem Afrika eigenen Geruch. Wir fanden schnell heraus, dass dieses Land von
einer eigenen Geschwindigkeit vorangetrieben wird, die mit dem stressigen,
europäischen Alltag nicht allzu viel zu tun hat.
Angekommen in Kwanta, wurden wir stürmisch willkommen geheißen. Leute
umarmten uns, noch ehe sie unsere Namen kannten, und wir konnten uns
gleich daran gewöhnen, dass ein Essen hier einem Buffet gleicht, was die
Größe angeht. 
Nach einer kleinen Besprechung mit ein paar unserer Teammitglieder aus
Kwanta war es auch schon Zeit fürs Bett. Nach einem langen und
anstrengenden Anreisetag trotzte unser Schlaf Hahngekreische und sogar
menschlichem Schnarchen. 
Am nächsten Tag erwartet uns die offizielle Begrüßung des Chiefs – des
Dorfvorstandes – und wir starten mit unserer ersten Theorie-Einheit über
Solarenergie. Drückt uns die Daumen!

Am Flughafen

 

 

 

 

 

03/02/2017

 So lange uns der Flug vorgekommen ist, so kurz kam uns der Schlaf vor, als
wir frühmorgens abgeholt wurden, um unserem eigenen Willkommensfest
beizuwohnen.
Wir wurden auf den Dorfplatz geführt, wo Gudrun, als Youth Queen direkt
neben dem Chief sitzend, bereits traditionell gekleidet auf uns wartete. Das
ganze Dorf war anwesend, als wir offiziell begrüßt und vorgestellt wurden. Die
Schulkinder hatten einen Tanz für uns einstudiert, den BorBorBor.
Abgeschlossen wurde die ganze Zeremonie mit einem Akpeteshi, einem
ghanaischen Schnaps, im Haus des Chiefs. 
Wir hatten nur drei Stunden, um diese klare Flüssigkeit zu verarbeiten und
unser Sehfähigkeiten uneingeschränkt zurückzugewinnen, aber es gelang uns
bravourös. Am Nachmittag stand dann die erste Theorie-Einheit an – wir
sprachen mit unseren ghanaischen Kollegen über die Wichtigkeit von
Solarenergie für unseren Planeten, über die Sicherheitsvorkehrungen bei der
Installation unserer Anlage und über einzelne Teile. 
Alle unsere ghanaischen Kollegen waren von Anfang an topmotiviert und
gestalteten den ersten Tag mit ihren Fragen und Anmerkungen ausgesprochen
erfolgreich.
Am Abend gab es dann noch ein gutes lokales Essen – RedRed, eine Mischung
aus roten Bohnen, Kochbananen und Palmöl – in einem Drinking Spot, wo wir
auch mit Palmwein und Akpeteshi versorgt wurden. Dann wurden noch
ghanaische und österreichische Tanzbewegungen ausgetauscht und danach
ging es wohlverdient ins Bett. Denn der nächste Tag verspricht nicht weniger
ereignisreich zu werden.

Große Willkommensfeier

 04/02 und 05/02/2017

Samstag und Sonntag, 4. und 5. Februar: 
Samstagmorgen ging es mit den Workshops weiter – diesmal standen
Installation, Planung und Wartung am Programm. 
Auch diesmal war der Theoriekurs spannend und wurde von allen Teilnehmern
begeisternd aufgenommen. Am Ende bekamen alle noch eine kleine Vorschau
auf den Test am Montag sowie die nächste Woche, dann gab´s erst mal
Mittagspause.
Am Nachmittag fuhr die eine Hälfte von uns nach Ho, der größten Stadt der
Volta-Region und eine halbe Stunde entfernt, um einzukaufen und sich den
Markt anzusehen. Die andere Hälfte blieb im Dorf und nahm mit einigen
lokalen Teammitgliedern die Vermessung der Bibliothek vor, auf der wir unsere
Solaranlage installieren wollen. 
Am Abend fuhren wir dann gemeinsam mit einigen unserer ghanaischen
Freunde nach Ho, wo wir alle gemeinsam Tilapia aßen, ein Süßwasserfisch,
vergleichbar mit dem österreichischen Karpfen. Danach ging es ins Mirage,
einem Club in Ho, wo zu ghanaischer Musik (eine Mischung aus Pop, HipHop,
Reggae und Folk) und exotischen Biersorten wie Club, Star oder Eagle das
getan wurde, wodurch in Ghana über alle Kulturen und Grenzen hinweg
Freundschaft geschlossen wird – wir tanzten uns die Füße wund. Es war schon
weit nach Mitternacht, als wir wieder Richtung Kwanta fuhren.
Sonntag wurde endlich mal ausgespannt. Einige von uns nahmen an dem
lokalen Gottesdienst teil. Hier in der Volta-Region sind die meisten Menschen
protestantische Christen, doch ihre Gottesdienste unterscheiden sich doch
gewaltig von unseren: sie dauern drei Stunden, es wird viel gesungen und
getanzt, Leute kommen und gehen. 
Nachmittags hatten wir endlich Zeit, das Dorf zu erkunden. Wir wanderten
durch den Urwald zum hiesigen Wasser-Reservoir, beobachteten Johnny beim
Palmenklettern und besuchten die Palmschnaps-Destilliere (Akpeteshi!). 
Bevor es morgen wieder mit der Arbeit an der Solaranlage weitergeht, werden
wir den Abend noch im Drinking Spot ausklingen lassen und Kraft für morgen
sammeln. Mal sehen, wie es weitergeht!

06/02 und 07/02/2017

Endlich haben die Arbeiten begonnen! Auf was für Probleme wir gestoßen sind
und wie wir uns so schlagen, könnt ihr hier lesen:

Arbeiten am Dach der Bibliothek

Montag und Dienstag, 6. und 7. Februar:
Der Montag begann gleich mal mit einer Hiobsbotschaft – unser Profi vom
Fach, Rettungsanker und lang ersehnter Heils- und Materialbringer Ludwig saß
mit eben jenem Material in Accra fest. Irgendwelche Probleme bei der
Transaktion machten eine Lieferung unmöglich. 
Vormittags war das noch nicht weiter schlimm, das Programm bestand ohnehin
aus Theorie. Eine Gruppe von uns machte sich auf den Weg nach Ho, die
andere absolvierte mit unseren ghanaischen Kollegen die Tests.
Doch spätestens nach dem Mittagessen war klar – weder Ludwig noch die Ware
würden heute in Kwanta eintreffen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns
nachmittags der Planung für die kommenden Tage zu widmen und uns auch die
Bibliothek noch einmal genauer anzusehen. Die Tests wurden ausgewertet und
zurückgegeben (die besser ausfielen als die durchschnittliche Mathe-
Zentralmatura) und die Sicherheitsvorkehrungen wurden noch einmal
wiederholt. 
 Dienstagvormittag war es nach einigem Bangen soweit – Ludwig konnte mit
der Ware Accra verlassen und befand sich auf dem Weg Richtung Kwanta. Als
er am Nachmittag endlich eintraf, fiel einigen ein wahrer Stein vom Herzen.
Nach Prüfung der Ware war auch klar, dass fast alles passte – nur ein Modul
muss umgetauscht werden, ansonsten gab es keine Probleme. Und obwohl wir
den Arbeitsbeginn eigentlich für Mittwochfrüh geplant hatten, gab es für die
motivierten Leute kein Halten mehr. Binnen einer Stunde wurde eine gut drei
Meter tiefe Erdung geschaufelt, ein Loch in die Bibliothekswand gebohrt, Kabel
verlegt. Damit waren wir wieder voll im Zeitplan. 
Danach gab es noch ein kleines Teambuilding-Spiel, das bei den ghanaischen
Kollegen auf große Begeisterung stieß. Spätabends trafen wir uns noch alle
gemeinsam auf ein paar Bier im hiesigen Drinking Spot, es wurde Under
getrunken (was tatsächlich von "under the table" kommt, weil es eine
Mischung aus Akpeteshi und Kräutern ist und wirklich reinhaut) und über
Politik, Kultur, Bildung gesprochen. Das Team kommt sich mit jedem Tag näher,
die Stimmung ist nach erfolgreicher Ankunft von Ludwig und den Materialien so
gut wie nie zuvor, und die heutige Arbeit lässt darauf schließen, dass wir unser
Projekt bald erfolgreich abschließen können.
Hoffen wir, dass es so weitergeht!

 08/02 und 09/02/2017

Mittwoch und Donnerstag – 8. und 9. Februar
Mittwochfrüh, 5:30 Uhr, der Wecker klingelt. Was sich nach einem
schrecklichen Fehlalarm anhört, war tatsächlich vollste Absicht und der
afrikanischen Sonne geschuldet. 
Nachdem die ersten Arbeiten am Vortag begonnen hatten, sollte Mittwoch der
große Werktag werden. Es war geplant, das Montagesystem für die Module,
sowie die Module selbst am Dach zu befestigen. Damit aber die Arbeit am Dach
möglich ist, muss man der Erhitzung durch die Sonne zuvorkommen – sonst
verwandelt sich das Dach in einen Hochofen. Daher mussten wir alle früh raus,
was einigen viel Überwindung kostete.
Da unser Team aus Personen mit verschiedenen Fähigkeiten und
Tätigkeitsfeldern besteht, beschlossen wir, uns nicht nur auf die Baustelle zu
beschränken. Während also unsere Techniker (und Chemiker) Paul, Matthias,
Johnny und Clara zusammen mit Ludwig den ghanaischen Kollegen bei der
Installation halfen, besuchten Pauline und Ines die Schulen und Kindergarten
Kwantas, um den Kindern auf spielerischem Weg die Wichtigkeit und den
Nutzen von alternativen Energien näherzubringen. Gudrun und Maxi machten
sich auf den Weg nach Ho, um einige organisatorische Dinge zu klären. 
Die erste Hälfte des Nachmittags verbrachten wir dann damit, den verlorenen
Schlaf wieder nachzuholen. Später ging es wieder zu Bibliothek, wo an der
Solaranlage weitergebaut wurde – und wir konnten große Fortschritte erzielen.
So wurden vier von fünf Modulen am Dach montiert, die Erdung wurde
fertiggestellt, der Inverter wurde festgemacht, Kabel wurden verlegt. 
Donnerstag durften wir daher etwas länger in den Betten bleiben. Während
Pauline und Ines sich erneut auf den Weg machten, um weitere Schulklassen
zu besuchen, stand der Rest von uns auf der Baustelle. Das letzte Modul wurde
befestigt, ein Elektriker der Firma Wilkins, bei der wir die Komponenten für
unsere Anlage gekauft haben, kam vorbei und half uns, die Batterien
anzuschließen sowie den Inverter zu programmieren. Die Arbeiten dauerten
den ganzen Tag an, in der Zwischenzeit wurde auch die nötige (bürokratische)
Vorarbeit geleistet, um der Gemeinde Kwanta die Solaranlage bei der
feierlichen Zeremonie nächsten Dienstag korrekt zu übergeben. 
Kurz mussten die Arbeiten unterbrochen werden, als wir zum ersten Mal seit
unserer Ankunft afrikanischen Regen erlebten – und was für einen. Es war ein
sintflutartiger Niederschlag, der aber wenigstens eine angenehme Kühle mit
sich brachte. 
Abends trafen sich alle beim Drinking Spot, wo mit Under, Club, Akpeteshi,
Palmwein und Cola (um das volle Ausmaß dieser Mischung zu verstehen, siehe
vorige Einträge) auf die getane Arbeit angestoßen wurde. Wir freuen uns alle
schon ziemlich auf morgen – warum, könnt ihr im nächsten Beitrag lesen.

Besprechung und Planung
Workshop mit den Schulkindern

10/02, 11/02 und 12/02/17

Freitag, Samstag und Sonntag – 10., 11. und 12. Februar
Nachdem wir Freitagvormittag noch einiges an Arbeit vorangebracht hatten,
verbrachten wir den frühen Nachmittag mit Packen – denn diesmal sollte sich
Wochenende auch wirklich wie Wochenende anfühlen. Dafür hatten wir eine
Lodge nahe Wynneba, direkt am Meer gelegen, reserviert. 
Das Kekes, so der Name der Lodge, war mit allem ausgestattet, was gute
Erholung braucht – funktionierende Duschen (fließendes Wasser sollte man
wirklich nicht als selbstverständlich betrachten), Hängematten unter Palmen
und frischen Fisch auf der Speisekarte. Nach einer sechsstündigen Fahrt und
der Erkenntnis, dass der Verkehr in Accra mit dem gleichen Enthusiasmus
vorwärtsgetrieben wird wie der Bau des Berliner Flughafens, kamen wir
spätabends im Kekes an. Müde bezogen wir die Zimmer, und mit
Meeresrauschen als Begleitmusik schliefen wir bis weit in den
Samstagvormittag hinein. 
Da der Samstag ganz dem Nichtstun gewidmet war, kurz einige Fakten über
das Kekes: der Besitzer, Chris, lebt in Österreich und betreibt unter anderem
ein Restaurant namens Kekes in Wien. Wer also nach unseren Berichten
Appetit bekommen hat und einmal original ghanaisches RedRed probieren
möchte, der kann dort vorbeischauen. 
Am Abend gab es ein Strandlagerfeuer mit ghanaischem Bier, und während
sich über uns der Sternenhimmel auftat, konnten wir zum ersten Mal in aller
Ruhe darüber nachdenken, was diese Reise eigentlich bedeutete und wie wir
Ghana bis jetzt erlebt hatten. Die letzten Tage waren voll von Arbeit und
Aufgaben gewesen, und neuartige Eindrücke und Erlebnisse rauschten nur so
an uns vorbei, Beobachtungen wurden meist nur zwischen zwei
Arbeitsschritten gemacht. Endlich hatten wir Zeit, die letzten eineinhalb
Wochen an uns vorbeiziehen zu lassen. 
Sonntags verbrachten wir ebenfalls noch einen Tag am Strand, aßen zu Mittag
Lobster (wobei es sich dabei eher um Garnelen gehandelt haben dürfte;
trotzdem gut) und beschlossen, einen ausgedehnten Strandspaziergang nach
Wynneba zu unternehmen, wo uns unser Bus abholen und wieder zurück nach
Kwanta bringen sollte. 
Etwas länger als eine Stunde spazierten wir am Strand entlang, links von uns
in Nacht getauchte Palmen, rechts war nur das Weiß des brandenden Meeres
zu erkennen. Hob man den Kopf, so vermutete man die Sterne in greifbarer
Nähe. Auch das ist Afrika – und wir waren froh, dass bei aller Arbeit dieser Teil
nicht zu kurz kam. 
Um Mitternacht erreichten wir – dank der Formel 1-ähnlichen Fahrkünste
unseres Drivers Edwin – Kwanta, wo wir noch kurz die Schritte für die nächsten
Tage durchgingen und dann müde in die Betten bzw. Matratzen fielen. Die
Erholung war erst mal vorbei, doch jetzt warten wir alle gespannt auf das
nächste große Ereignis – die feierliche Eröffnung unserer Solaranlage am
Dienstag. 
Bleibt also dran!

Ghanaischer Strand

13/02 und 14/02/2017

Montag und Dienstag – 13. und 14. Februar 2017
Der Montag war ganz von dem seltsamen Phänomen erfüllt, das wohl einige
Gelegenheitsfaulenzer kennen: wir mussten uns von einem erholsamen
Wochenende erholen. 
Nachdem wir erst spät angekommen waren, schliefen wir montags etwas
länger und wendeten uns der finalen Phase unseres Projektes zu. Jetzt, wo die
Anlage fertig installiert war, ging es darum, die Zukunft der Solaranlage und
auch der Bibliothek, die immerhin von der Solaranlage betrieben wird, zu
planen. Während letzte Korrekturen an der Solaranlage vorgenommen wurden,
fuhren einige von uns nach Ho, um dort Organisatorisches zu erledigen. Dazu
zählten Tabellen, die zur Kontrolle und Überwachung der Anleitung dienen,
sowie Informationszettel für interessierte Einwohner Kwantas, die wir bei der
Zeremonie am Dienstag verteilen wollten.
Der Vormittag des nächsten Tages stand ganz im Zeichen der
Festvorbereitungen. Die meisten von uns halfen oben mit, die Bibliothek von
Werkzeug und Arbeitsdreck zu befreien, Ines und Pauline fertigten mit den
Kindern Kwantas noch Zeichnungen an, die ihren Weg nach Österreich finden
werden. Bei dieser Aussicht stieg die Motivation natürlich ziemlich und die
Leser dürfen schon gespannt sein, wohin kindliche Kreativität führen kann. 
Und dann war es auch schon so weit: Am Nachmittag des nächsten Tages war,
wie schon bei unserer Ankunft, das halbe Dorf am Hauptplatz versammelt, um
bei der feierlichen Eröffnung und Übergabe der Anlage dabeizusein. Der Town-
Chief war aus Accra angereist, und sogar der Assembly-Chief, dem mit Kwanta
insgesamt 5 Gemeinden unterstehen, war zugegen. Die Dankbarkeit und
Achtung, die uns entgegengebracht wurde, ist nur schwer in Worte zu fassen
und allein die warmen Worte des Chiefs erinnerten jeden von uns daran,
warum wir ursprünglich hierhergekommen waren – um zusammen mit den
Einwohnern Kwantas einen kleinen Schritt in die Zukunft zu unternehmen. 
Der Assembly-Chief bedankte sich bei uns sogar „in the name of the Republic
of Ghana“. Wir wissen zwar nicht genau, wie ernst diese Aussage gemeint war,
schön zu hören war sie dennoch. 
Danach ging es an die Zertifikaten-Übergabe. Nach zwei Wochen harter Arbeit
hatte sich jeder unserer ghanaischen Kollegen sein Zertifikat auch mehr als
verdient. Nach diesen zwei Wochen waren wir nicht nur Arbeitskollegen
geworden – sondern Freunde. Auch das war einer der vielen schönen Aspekte
an unserem Projekt.
Nach Tanz und Musik ging es dann zur Bibliothek, wo Clara und Gudrun
zusammen mit dem Town-Chief das goldene Band zerschnitten und die
Bibliothek somit offiziell übergaben. Begleitet wurde die Übergabe von einem
Video, das unsere zwei Wochen kurz zusammenfasste, einem Vortrag von
Johnny und Jeff, über die Vorteile von Solarenergie, und einem Vortrag über
die Wichtigkeit von Büchern. Immerhin ist die Solaranlage in erster Linie dazu
da, die Bibliothek mit Strom zu versorgen, damit diese wiederrum die
Einwohner Kwantas mit Wissen versorgen kann.
Die Resonanz, die uns von den Leuten aus Kwanta entgegenschlug, war enorm
positiv. Wir hatten Informationsblätter vorbereitet, für Leute, die an einer
privaten PV-Anlage interessiert sind und einen kurzen Überblick über Kosten
und Komponenten haben wollen, genauso wie eine Anleitung namens „Why
reading“, die darauf abzielte, nicht nur praktische Lesetipps zu geben, sondern
auch das „Warum“ des Lesens näherzubringen – alles Punkte, die auch an
vielen österreichischen Schulen nicht deplatziert wären.
Die Informationsblätter waren vergriffen, noch ehe wir wirklich Werbung dafür
machen konnten. Als am Ende unseres Vortrags auch noch ein älterer Herr
nach vorne kam, sich einen Zettel nahm und sagte: „Ich kann lesen, also
möchte ich auch lesen“ wurde uns klar, was für eine mögliche Bedeutung unser
kleines Projekt haben könnte. Nach vierzehn Tagen wurde uns abschließend
vor Augen geführt, was unser ganzes Projekt, all unsere Mühen im besten Fall
sein können – ein kleiner Anstoß für etwas größere Veränderungen. 
In diesem Sinne haben wir, das österreichische wie ghanaische Team, nach
langen Überlegungen auch Jeff Cudjoe zum neuen Bibliothekar ernannt.
Gershon Aggor wurde zum Leiter des lokalen PV-Teams, das in Zukunft
hoffentlich nicht nur die eigene Anlage warten, sondern auch neue Aufträge
bearbeiten wird können. Mit beiden werden wir in Zukunft eng
zusammenarbeiten – es ist gut und wichtig, einen direkten Ansprechpartner
vor Ort zu haben.
Zuletzt gelang es uns auch, eine gut funktionierende Internetverbindung in der
Bibliothek zu installieren, die jetzt für Recherche- und Lernzwecke genutzt
werden kann. Ein Internetzugang ist in der heutigen Zeit eine der wichtigsten
Ressourcen für Bildung, und jetzt hat auch die Gemeinde Kwanta einen – der
sorgfältig von Jeff verwaltet werden wird. 
Am Abend wurde dann getan, was man in solchen Fällen in Kwanta seit jeher
zu tun pflegt: Wir versammelten uns beim Drinking Spot und feierten
ordentlich.
Und während wir unseren Freunden deutsche und österreichische Musik näher
brachten – was hoffentlich nicht zu einem dauerhaften Einreiseverbot führen
wird (Culcha Candela!) – spürten wir alle, wie langsam eine große Last, die
sich im letzten halben Jahr auf unseren Schultern abgelagert hatte, von uns
abfiel. 
Keine Sorge, auch in den nächsten Tagen gibt es noch genug zu tun, obwohl
mehr Zeit für kleine Ausflüge bleiben wird. Aber seit dem heutigen Tag ist eine
funktionierende Solaranlage (und eine neu strukturierte Bibliothek) endgültig
das Eigentum der Gemeinde Kwanta – und unser Ziel somit erreicht. 
Genießt mit uns noch die letzten Tage unter der ghanaischen Sonne – bleibt
dran!

Überreichen der Zertifikate
Das gesamte Team
Fertige Anlage auf dem Dach der Bibliothek

 

Kontrolleinheit der Anlage
Akkus

  

15/02 und 16/02/2017

Mittwoch und Donnerstag – 15. und 16. Februar 2017
Die Arbeit war (fast) getan, jetzt hatten wir endlich Zeit fürs Vergnügen. So
standen die letzten Tage im Zeichen von Ausflügen in der Volta-Region.
Ein Muss für die Techniker (und Chemiker) unter uns war natürlich der Volta-
Staudamm in Akosombo. 60 Prozent des ghanaischen Stromhaushaltes werden
von diesem Damm geliefert, und der Stausee hat eine unüberschaubare Größe.
Der Volta-Fluss (wobei Volta von dem portugiesischen Wort für „mäandern“
kommt, weil sich der Fluss mäandernd seinen Weg bahnt) fließt von Togo über
Ghana bis in die Elfenbeinküste. 
Nach der Besichtigung mussten wir uns (natürlich) schweren Herzens von
Johnny verabschieden, der schon an diesem Mittwoch seine Rückreise antrat.
Geschlagen von der Hitze kehrten wir dann nachmittags nach Kwanta zurück,
wo wir ein letztes Teammeeting einberiefen. 
Wir gingen noch mal alle wichtigen Punkte der fertigen Anlage durch und
besprachen, welche Werte wie gemessen werden müssen, um eine dauerhafte,
sinnvolle Kontrolle zu gewährleisten. 
Am Donnerstag ging es erneut früh los, diesmal besichtigten wir ein bekanntes
Affenreservat in der Gegend. Die Affen, die in freier Wildbahn leben, aber ein
gutes Verhältnis zu Menschen (mit Bananen!) haben, waren alles andere als
scheu. Auf Schultern, Armen und auch Köpfen knabberten sie an unseren
mitgebrachten Bananen. 
Den Donnerstagnachmittag verbrachten wir dann in Kwanta, immerhin sollte
es unser letzter Nachmittag in dieser Gemeinde sein, die uns mittlerweile sehr
ans Herz gewachsen war. Alle Menschen begegneten uns mit größer
Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, so dass Kwanta sowas wie ein kurzzeitiges
zweites Zuhause für uns wurde. Während wir den Nachmittag entweder mit
Fußball spielen oder bei einer Filmvorführung mit den Kindern verbrachten,
wurde uns klar, wie sehr wir uns schon an die Leute und das Alltagsleben hier
gewohnt hatten. Das macht den Abschied natürlich nicht leichter.
Freitags wird es noch eine Abschiedsfeier für uns geben, dann geht es nach
Accra. Bleibt dabei, wenn wir unseren letzten Tag antreten!

Im Affenreservat
Am Volta-Staudamm

17/02/2017

Die Erlebnisse mussten erst mal in Worte gefasst werden, doch hier ist er: der
letzte Blogeintrag zu unserem Ghana-Abenteuer. Viel Spaß!

Freitag – 17. Februar
Zum endgültigen Abschluss noch ein verbaler Abschuss: 
„Accra ist eine Stadt und absolut keine Stadt. Du schaust auf das Haus, denkst
dir, das kann so auch in Europa stehen – dann schaust aufs nächste Haus,
dann auf die Straße, und dann denkst: Hawara, was geht mit mir?“
Mit dem Freitagmorgen brach unser letzter Tag in Ghana an. Wir konnten es
noch gar nicht so recht glauben – vor zwei Wochen erst waren wir hier
angekommen, mit großen Plänen im Gepäck; manche würden sogar meinen,
mit großen Träumen. Jetzt, vierzehn Tage später, erwartete uns ein
Abschiedsfest, das die Gelegenheit bot, zurückzublicken auf das, was wir
erreicht und erlebt hatten: eine (funktionierende!) Solaranlage wurde gebaut
und ein Team zusammengestellt, ein Bibliothekar wurde ernannt, die Bibliothek
wurde neu strukturiert, Internet wurde installiert sowie Computer und Beamer,
es gab eine Informationsveranstaltung für Eltern und Privatleute über
Solarenergie und Bildungsalternativen, nicht zu vergessen die Stunden in
Kindergarten und Schulen, in denen mit den Kindern direkt gearbeitet wurde.
Man darf wohl behaupten, dass man nicht viel mehr in zwei Wochen leisten
kann. 
Unser Abschiedsfest wurde in kleinem Rahmen gefeiert – nach den ganzen
anderen Festen in den letzten Tagen war das aber durchaus in Ordnung. Zuerst
tanzten einige von uns einen Walzer über den sandigen Dorfplatz, ehe uns das
traditionelle Festtagsgewand der Ewe, also des Volks in der Volta-Region
(ursprünglich aus Nigeria bzw. Togo) zu dem auch unsere Freunde in Kwanta
gehören, überreicht wurde. Mit diesen sogenannten Batakari durften wir noch
einmal den BorBorBor-Tanz bewundern und Gudrun hielt eine abschließende
Rede an die Einwohner Kwantas. Danach gab es einen emotionalen Abschied:
wir umarmten das halbe Dorf, klopften auf Schultern, schüttelten Hände,
versprachen, Fotos zu schicken, Nachrichten auszutauschen und
wiederzukommen. Es war hart, dass unser Aufenthalt so plötzlich zu Ende ging
– aber erst der Abschied birgt die Hoffnung eines Wiedersehens, und so ließen
wir Kwanta und seine Einwohner letztendlich (nur fürs Erste!) hinter uns und
machten uns auf den Weg nach Accra. 
Da der Flug erst spätabends ging, wollten wir einen richtigen Touristentag in
Accra verbringen – zumindest einmal während dieser Reise. Dazu muss gesagt
werden: Accra an sich ist nicht unbedingt eine Touristenstadt. Die Hauptstadt
Ghanas hat weder eine sehenswerte Altstadt noch moderne Architekturwunder
zu bieten - dennoch erzählt sie, wenn man nur genau genug hinsieht, nicht nur
die Vergangenheit Ghanas, sondern auch viel über die derzeitigen Verhältnisse
Afrikas. 
Zuerst besuchten wir das Kwame Nkrumah Mausoleum, mit einem kleinen
Museum über den berühmten Staatsmann. Nkrumah, in Ghana geboren,
kehrte in den 50er-Jahren nach Aufenthalten in der USA und England in sein
Heimatland zurück. Er brachte einige Bücher über Neokolonialismus mit (ein
Wort, das heute häufig gebraucht wird, und das Nkrumah als einer der ersten
benutzte – für ihn bedeutete es, dass sich, auch wenn der Kolonialismus de
facto vorbei war, die afrikanischen Länder noch in einer (wirtschaftlichen)
Abhängigkeit zu Europa befanden, die dem Kolonialismus gleichkommt), die er
selbst verfasst hatte, sowie über Panafrikanismus (also die Idee, dass sich alle
afrikanischen Völker vereinigen sollten). Er führte Ghana zum ersten Mal und
als ersten afrikanischen Staat in die Unabhängigkeit – leider hielt er sich nicht
lange, bald wurde er von dem Militär abgesetzt. Erst in den 90er Jahren gelang
Ghana dann der endgültige Sprung in ein demokratisches System (in dem
dieses Jahr sogar die „demokratischsten Wahlen in der Geschichte Afrikas“
abgehalten wurden), doch Nkrumah bleibt der Urvater dieser Idee – und damit
der Urvater eines unabhängigen Ghanas. 
Danach besichtigten wir noch den Independence Square, auf dem, wie der
Name vermuten lässt, jedes Jahr am 6. März mit großem Aufwand die
Unabhängigkeit gefeiert wird – das Militär und die Air Force sind mit dabei,
genauso wie viele Schulen und Verbände. 
Den späten Nachmittag verbrachten wir in einem Einkaufszentrum nahe des
Flughafens, wo wir auf der Terrasse saßen (dazu werden wir in Österreich in
den nächsten Monaten immerhin kaum Gelegenheit mehr bekommen) und die
vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren ließen. Als wir zum
Flughafen kamen, erwartete uns sogar der Chief, um sich bei uns zu
verabschieden. Ein schönes Zeichen, das zeigt, dass unsere Verbindung zu
Kwanta weit über die Arbeit hinausgewachsen ist. 
Dies ist also der letzte Eintrag zu dieser denkwürdigen Reise. Hatten wir am
Anfang ein zweiwöchiges Abenteuer erwartet, Afrikafeeling inklusive, so blieb
am Ende das Versprechen, eines Tages zurückzukommen. Es ist erstaunlich,
wie viel sich in zwei Wochen verändern kann – für ein Dorf, genauso wie für
einen einzelnen Menschen. 
Aus einem abstrakten Projekt, einer langgehegten Idee, dem Mythos Afrika,
sind reale Freundschaften geworden und ein Dialog, der, so hoffen wir alle,
noch viele Jahre bestehen bleiben wird. 
An diesem Punkt: Danke an alle, die uns unterstützt haben; danke an alle, die
bis zum Ende dabeigeblieben sind, uns angefeuert, uns gelobt, uns geholfen
haben, egal aus welchem Teil dieser Welt. Was wir alle gemeinsam erreicht
haben, ist nur schwer zu übertreffen: Wir alle, aus welchem Land wir auch
kommen, haben einen kleinen Schritt in eine mögliche, bessere Zukunft getan
und den Wert der Zusammenarbeit zu verstehen gelernt. 
Ein kleiner Spruch hat sich durch dieses Projekt „Licht für Kwanta“ gezogen:
Was im Großen gelingen soll, muss im Kleinen begonnen werden. Und so klein
haben wir eigentlich gar nicht begonnen.

2 Comments

    • Friends of Kwanta

      Hallo Fritz!
      Es waren tatsächlich nur Bilder der Baustelle und der Eröffnungsfeier im Bericht – das haben wir natürlich gleich nachgeholt!
      Die Menschen, ihr Zusammenhalt und ihre Lebenseinstellung haben uns in der Tat sehr inspiriert, und wir hoffen, ein wenig dieser Stimmung beim Benefizkonzert in zwei Wochen nach Österreich zu holen. 🙂
      Danke für die lieben Wünsche und alles Gute
      das Friends of Kwanta – Team

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